Künstlerberatung Stefan Kuntz

Freiberuflicher Unterricht von Tanz, Theater, Musik, bildende Kunst, Literatur (Special)

 
Dieses Special beantwortet folgende Fragen:
 
o   Wie soll der Vertrag einer Kursleiterin mit einer Bildungseinrichtung aussehen?
o   Was muss ich beachten, damit meine Tätigkeit auch wirklich als selbständig eingestuft werden kann?
o   Bekomme ich in den Ferien Geld?
o   Was ist mit meinem Kursleiterfreibetrag?
o   Kann ich eine Vertretung bei Krankheit stellen?
o   Habe ich einen Urlaubsanspruch?
o   Welche Kündigungsfristen sind sinnvoll?
o   Fällt der Kurs aus, wenn es zu wenig Anmeldungen gibt?
o   Brauche ich Versicherungen?
o   Und die Persönlichkeitsrechte meiner Schüler? Was muss ich da beachten?
  
·      Was muss ich beachten, damit meine Tätigkeit auch wirklich als selbständig eingestuft werden kann?

Diese Einstufung ist nötig, damit Sie über die KSK versichert werden können. Nicht sinnvoll ist es, auf dem Papier zu betonen, dass sie selbständig tätig ist, das erweckt bei Prüfern nur Verdacht. Besser ist es z.B., auch die Erstellung einer Kurs-Konzeption zu erwähnen, ein wichtiges Merkmal selbständigen Unterrichtens. Eher dagegen spräche die im ver.di-Muster erwähnte Pflicht zur Teilnahme an Konferenzen oder ein Anspruch auf Honorarzahlung auch während des Urlaubs oder einer Krankheit, so gut das natürlich ist.


·      Was ist mit meinem Kursleiterfreibetrag?

Darüber sollten Sie Ihrem Auftraggeber reinen Wein einschenken: z.Zt. sind bis zu 2400 € steuer- und sozialversicherungsfrei. Das heißt auch, sie gelten nicht als künstlerisches Einkommen für die KSK, und es muss darauf keine KSK-Abgabe entrichtet werden.


·      Kann ich eine Vertretung bei Krankheit stellen?

Das Recht dazu spräche für einen Dienstvertrag und gegen einen Arbeitsvertrag. Möglicherweise ist es für Sie besser, wenn Sie die ausgefallenen Stunden selbst nachholen. Oder Sie haben ein gutes Netzwerk, mit dem Sie sich unter Kollegen solidarisch aushelfen? siehe auch http://www.kuenstlerrat.de/special_vertretung.htm

 


·      Welche Kündigungsfristen sind sinnvoll?

Wichtig ist für beide Seiten, dass Sie überhaupt welche vereinbaren, Sie müssen ja in Frieden wieder auseinander kommen können. Das verdi-Muster schlägt etwas anderes vor. Überlegen Sie, was für Sie beide besser ist.
Fällt der Kurs aus, wenn es zu wenig Anmeldungen gibt? Natürlich möchten Kursveranstalter gerne solche Klauseln im Vertrag haben und Kursleiter nicht.
Einige Künstler haben Probleme mit Vertragsklauseln wie z.B.
„Kommt die von Herrn ...  zu leitende Literaturwerkstatt nicht zustande, entfällt das Honorar.“
"Der Veranstalter hat das Recht, die Veranstaltung wegen zu geringer Teilnehmerzahl abzusagen, ohne dass er dadurch zur Zahlung an der Künstler verpflichtet wird."
"Der Veranstalter kann den Kurs wegen zu geringer Teilnehmerzahl 2 Wochen vorher absagen.“
Solche (in der Praxis leider existierende!) Regelungen sind natürlich nicht akzeptabel. Besonders bei Seminaren und Workshops wollen sich die Veranstalter oft ein Türchen offen halten, z.B. mit einer Formulierung wie
"Der Auftraggeber behält sich vor, das Seminar mangels Teilnehmern spätestens 6 Wochen vor Beginn ohne Nachteile für ihn abzusagen."
Dazu müsste natürlich eine Regelung kommen, wie hoch denn die Mindestzahl ist. VHS und ähnliche Veranstalter sagen gelegentlich:
"Jetzt sind es nur 10 statt der vereinbarten 12 Teilnehmer, jetzt müssten wir das Seminar eigentlich ausfallen lassen, es sei denn, Sie würden auf einen Teil des Honorars verzichten".
Da sollte man sich seine Schmerzgrenze vorher überlegen und auch bedenken, dass Veranstalter leider oft die Erfahrung machen, dass sich Künstler auf Vieles einlassen, und deshalb ein Entgegenkommen einrechnen. Ein Kursprogramm mit vielen Kursen sieht gut aus, und wenn dann die Hälfte ausfällt? Kismet!
Ich denke, folgende Ausfallregelung für Seminare wird beiden Seiten entgegenkommen:
"Das Seminar kann von beiden Vertragspartnern 8 Wochen vorher ohne weitere Verpflichtungen abgesagt werden. Der Veranstalter kann das Seminar 4 Wochen vorher absagen, wenn die Anzahl der Anmeldungen die Mindestteilnehmerzahl um 25 % unterschreitet. In diesem Fall verpflichtet er sich, 50 % des Honorars an den Dozenten zu zahlen. Eine spätere Absage führt zur Zahlung des gesamten vereinbarten Honorars."
Klar, dass bei Ausfall nicht angefallene Fahrtkosten nicht berechnet werden. Sollte für ein Seminar eine aufwändige Konzeption erarbeitet worden sein, sollte vielleicht folgender Passus aufgenommen werden:
"Sollte das Seminar nicht zustande kommen, verpflichtet sich der Veranstalter dem Dozenten (z.B. 200)... € für seinen bereits geleisteten Aufwand zu zahlen"
Im Muster-Gastspielvertrag des BUFT AGB, heißt es:
"Führt höhere Gewalt zum Ausfall der Veranstaltung, werden beide Vertragspartner von ihrer Leistungspflicht befreit. Als höhere Gewalt gelten z.B. akute Erkrankungen eines Künstlers,  Streiks im Transportwesen, kriegerische Ereignisse, Stromausfall (...), Naturkatastrophen u.ä.".
Andere Formen von Ausfall sind nicht verabredet und führen deshalb zur Zahlungspflicht, d.h. ist zum Beispiel zu wenig Publikum da, muss gezahlt werden (Mindestzuschauerzahl in der Bühnenanweisung verankern)
 
·      Brauche ich Versicherungen?

Ja, allerdings. Die Berufshaftpflicht-versicherung brauchen Sie für all ihre Tätigkeiten, sie schließt ihre private gratis mit ein und dürfte für 100 bis 200 € /Jahr zu bekommen sein. Sie schützt Sie gegen Ansprüche von z.B. Schülern oder ihren Eltern wegen z.B. unterlassener Aufsicht. Ihren persönlichen Berufsunfallschutz können Sie zur Zeit noch für ganz grob 300 €/Jahr über die VerwaltungsBerufsgenossenschaft abdecken, aber die wird bald recht teurer.
Wenn Sie Kunst oder Publizistik unterrichten, können Sie über die KSK versichert werden. Wenn das nicht der Fall ist, müssen Sie sich teuer selbst kranken- und pflegeversichern wie jeder Selbständiger, als freiberuflicher Lehrer sind Sie aber auch rentenversicherungs-pflichtig.


·      Und die Persönlichkeitsrechte meiner Schüler? Was muss ich da beachten?

Das wird erst allmählich ein Thema: Klar ist, Sie dürfen nicht über Ihre Schüler tratschen oder deren Adressen weitergeben. Aber Sie dürfen auch keine Fotos, Filme oder Tonaufnahmen machen ohne Einwilligung der Erziehungsberechtigten oder sie gar in facebook einstellen!

 

Ich kann Sie auch gerne informieren über:

Unterrichtsvereinbarung zwischen einer freiberuflichen Kunst-Lehrerin und ihrem Schüler
 
o   Welche Unterrichtsvereinbarungen treffe ich als freiberufliche Pädagogin mit meinen Schülerinnen?
o   Wie kann ich eine USt-Pflicht vermeiden?
o   Ist eine kostenlose Probezeit sinnvoll?
o   Wie schaffe ich es, dass ich auch in den Ferien Geld bekomme?
o   Was mache ich bei Fehlen oder Krankheit meines Schülers?
o   Was sollte ich in die AGB’s packen?
 
 
Rechnung einer Künstlerin/ Kunstlehrers an ihren Auftraggeber
 
o   Muss ich wirklich eine Rechnung schreiben? Wir haben doch schon einen Vertrag!
o   Warum sollte ich einige Nebenkosten extra aufführen, auch wenn ich sie gar nicht extra bezahlt bekomme?
o   Auf einer korrekten Rechnung sollen ganz viele Nummern etc. stehen – was denn alles?
o   Kann ich die Rechnung per eMail verschicken?

 

 

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zuletzt aktualisiert: 6.04.2017