Künstlerberatung Stefan Kuntz

Wie wird eine GbR gegründet und
wie wird sie am Leben erhalten?


 
GbR als Rechtsform für eine dauerhafte Zusammenarbeit
 
  
Definition:
 
GbR bedeutet Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Sie wird auch BGB-Gesellschaft genannt: Gesellschaft nach dem bürgerlichen Gesetzbuch,  weil die gesetzlichen Grundlagen im BGB I, §§ 705 ff. stehen. 
 
 
Denn sie wissen nicht, was sie tun – und hopps: sind sie eine GbR!
 
Keine Formalitäten nötig, aber empfehlenswert:
 
Ganz simpel: Wenn mindestens zwei sich zusammentun, um Geschäfte zu machen, und sie wissen nicht, was sie juristisch sind, dann sind sie eine GbR.
Schon, wenn ein Skat-Trio beschließt, die Skatkasse auf Ballermann gemeinsam auf den Kopf zu hauen, sind sie als GbR tätig. Schon wenn ein Journalist und ein Fotograf für eine gemeinsame Reportage gemeinsam ein Honorar einstreichen, sind sie eine GbR. Auch wenn sie sagen, die Restaurant-Besuche während unserer Reportagereise zahlen wir halbe/halbe. Wenn es keinen Streit gibt, hat die GbR-Gründung keine Folgen. Wenn es Streit gibt, wird letzten Endes der Richter nach den oben erwähnten Paragraphen urteilen.
Strenggenommen reicht eine mündliche Abmachung („Nach Abzug der gemeinsamen Kosten erhältst Du ein bisschen mehr, weil du hast auch ein bisschen mehr Hirnschmalz reingegeben, ansonsten zu gleichen Teilen, wir werden uns schon einigen“), sogar wenn sie stillschweigend erfolgt („Es ist uns allen klar, dass wir 4 Musiker nach dem Adventskonzert die 400 € bar vom Pfarrer direkt gleichmäßig aufteilen“).
Aber schriftliche Abmachungen sind wesentlich besser. Dazu unten mehr.
 
Und doch: Anmeldung beim Finanzamt
 
Eine Anmeldung, Registrierung  etwa beim Vereins- oder Handelsregister ist nicht möglich.
Es sei denn, die GbR wäre gewerblich tätig. Dann muss sie sich auch beim Ordnungs-/Gewerbeamt etc. anmelden. Freiberufler sollten das nicht tun. Freiberufler sind beispielsweise Journalisten, Hebammen, Lehrer, Künstler, Ärzte, Ingenieure, Kameramann.

Mehr in
Engel, Stefan / Oberlander, Willi: Freier Beruf oder Gewerbe? Eine Orientierungshilfe für Gründer? Institut für Freie Berufe, Nürnberg 1999
 
Beim Finanzamt ist sie nötig, aber das ist auch das einzige. Die GbR (nicht jeder einzelne Gesellschafter) fordert beim FA ein vierseitiges Formular an
Sie muss sich innerhalb von 4 Wochen nach Aufnahme des Geschäfts beim Finanzamt melden.
 
Nur wenige Punkte bedürfen der Erläuterung:
 
Punkt 4: „Einnahme-Überschuss-Rechnung“ ankreuzen
Punkt 7: VORSICHT! Hier werden die meisten Fehler gemacht. Das Finanzamt erhebt Umsatzsteuer nur von denen, deren Umsatz im letzten Jahr über 17.500 € lag oder im laufen­den Jahr vermutlich über 50.000 € liegt.
Anders bei Existenzgründern: Umsatzsteuerpflicht schon im ersten Jahr, sofern Umsatz hochgerechnet von über 17.500 € für das ganze Kalenderjahr (§19,3 UStG) erwartet wird. Das muss auf dem Betriebseröffnungsbogen beim Finanzamt richtig eingetragen werden, also nicht zu hohe Erwartungen verkünden!
Punkt 7.3.: In der Regel wird in Zeile 123 das Kreuz zu machen sein: Sie wollen nicht umsatzsteuerpflichtig sein und können somit keine Vorsteuerrückerstattung geltend machen.
Mehr zum Thema „Steuern“ siehe unten.
 
 
 
Vor- und Nachteile der GbR auf einen Blick
 
Vorteile auf einen Blick:
Gegenüber fast allen anderen Rechtsformen (Ausnahme: Partnerschaftsgesellschaft) ist für selbständig tätige Künstler und Publizisten die Sozialversicherung billiger, nämlich über die KSK.
Buchführung und  Steuern sind einfacher.
Das Kollektiv hat die Entscheidungsgewalt.
 
Nachteile auf einen Blick:
keine Arbeitslosenversicherung.
Haftung mit dem Privatvermögen jedes Einzelnen.
schlechtes Image für Kredite (seltsamerweise, trotz Klagefähigkeit s.u.) oder z.B. für die Gratis-Nutzung leerstehender Schulräume.
Möglicherweise (nach Bundesland verschieden) keine staatlichen Zu­schüsse.
Kann Überschüsse nicht ins nächste Jahr mitnehmen.
Bei jedem Gesellschafterwechsel Kassensturz.
Rechtlich kein Firmenname möglich.
 
Wenn man nix regelt, wird alles vom Gesetz geregelt
 
Die rechtlichen Grundlagen finden sich in § 705-740 BGB. Dort wird alles geregelt, wenn frau nix regelt – insofern lohnt die Anschaffung einer Taschenbuch-Ausgabe des BGB und die Lektüre, vor allem in Konfliktsituationen.
 
Ein Vertrag muss nicht schriftlich geschlossen werden, mündliche Vereinbarungen reichen. Ah!, sagen all die, die keine Lust haben, einen Vertrag zu lesen, geschweige denn zu unter­schreiben. Die Schriftform er­leichtert aber das Streiten im Falle eines Falles und reduziert es.
 
Deshalb einige Ideen, wie mann nicht allzu schwierig zu etwas Schriftlichem kommt:
Man kann die mündlichen Vereinbarungen mit einem Re­korder aufnehmen und so dokumentieren.
Besser aber ist, das Diktat dann abzuschreiben und von allen unterschreiben zu lassen.
Oder man bespricht die wesentlichen Dinge auf einer der ersten Treffen, das wird von einem handschriftlich in einem Protokoll (fadengebundene, paginierte Kladde) festgehalten, direkt anschließend wird das Protokoll von allen unterschrieben, fertig ist der Vertrag, der dann durch neue, von allen un­terschriebe­ne Protokolle ergänzt und geän­dert werden kann (es empfiehlt sich eine Kladde  (von mir gerne „Logbuch“ genannt wie in der Seefahrt) und jeweils Kopien an alle).
Oder mann bastelt sich aus vorliegenden Verträgen (z.B. im „Survival Kit“ enthalten) einen Vertrag zusammen, stellt Konsens her, und legt ihn zur Überprüfung einem Rechtsanwalt oder dem Autor vor.
Oder man sammelt alle Wünsche des Teams bezüglich des Vertrags ein und lässt den Autor oder einen Rechtsanwalt einen Vertrag ausarbeiten.
Wenn Sie unbedingt wollen, können Sie den Vertrag unter Zeugen unter­schreiben, sogar bei einem Notar und auch dort hinterlegen (teuer).
 
 
 
HAFTUNG
 
Haftungsbegrenzung
Die Haftung jedes Gesellschafters mit dem kompletten Privatvermögen ist einer der ganz großen Hemmschuhe für die Wahl der Rechtsform GbR. Aber möglicherweise ist – aus vielen Gründen - die GbR die einzig mögliche Rechtsform. Dann sollte jeder wissen, was das heißt: Haftung mit dem Privatvermögen.
 
Beispiel:
Eine Gruppe von Künstlern soll für 7000 € eine Wand bemalen im Rahmen einer Performance am 13.12.2009. Leider haben alle vergessen, mit dem Veranstalter rechtzeitig zu regeln, dass man erst am 14.12. Zeit hat. Der Veranstalter wartet mit Presse und Bürgermeister am 13.12., aber kein Künstler kommt. Der Veranstalter ist sauer und schickt eine Rechnung über die entstandenen Kosten (u.a. Gerüstbau 5.312 €, insgesamt 16.421 €). Außer dem Künstler Fabian, der gerade seine Oma beerbt hat, leben alle anderen von HARTZ IV. Also muss Fabian den ganzen Schaden zahlen und kann dann sehen, wie er das Geld von den anderen oder dem wirklich „Schuldigen“ wiederbekommt.

 

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zuletzt aktualisiert: 12.02.2014