Künstlerberatung Stefan Kuntz

Low-Budget-Produktion (Special)

Aus Engagement für die gute Sache, aus Freundschaft, im Rahmen der Schauspielschule, um überhaupt einen Fuß in die Tür zu bekommen, aus Spaß an d’r Freud, machen darstellende Künstler bei Low-Budget  -Produktionen im Theater- oder Filmbereich auch gerne mal gratis mit.
 
Doch auch wenn kein Geld fließt, sollte ein Vertrag gemacht werden,

  • um den eigentlichen, auch wirtschaftlichen Wert der Mitarbeit zu unterstreichen,
  • um die Verantwortung des Chefs, des Produzenten z.B. in Hinsicht Unfallversicherung klarzumachen,
  • um die Frage der Urheberrechte zu klären,
  • um im Falle eines später doch eintretenden wirtschaftlichen Erfolges der Produktion den Mitarbeiter dann doch noch an dem Erfolg finanziell zu beteiligen.

 

In diesem Zusammenhang spricht man besonders in der Filmwirtschaft von Rückstellungsverträgen XE "Rückstellungsverträgen" . Grundlage eines solchen Vertrages ist eine Budgetplanung auf Grund der eigentlich anfallenden Kosten, auch der normalen, nötigen Schauspieler-Gagen. Diese Kalkulation wird als verbindlicher Anhang an einen Vertrag geheftet, in dem beispielsweise der Schauspieler auf seine Gage oder einen Teil davon verzichtet, bis die kalkulierten Einnahmen realisiert wurden; er stellt also seine Ansprüche zurück. Sollten die Einnahmen dann (eher wider Erwarten) sprudeln, wird sein Anspruch wieder lebendig und er bekommt die bereits in grauer Vorzeit ausgehandelte Gage.
 
Das Ganze funktioniert natürlich nur, wenn der Geschäftsführer der Produktion eine ehrliche Haut ist und die Buchführung im Falle des Einnahmen-Sprudeln offen legt. Misstrauische Kollegen könnten versuchen, einen Vertragspassus durchzusetzen, der vorschreibt, dass die Buchführung von einem Unabhängigen (Wirtschaftsprüfer?, kundigen Dritten?) geprüft wird.
 
Beispiel:

Budgetplanung des Produzenten Peter Lustig für die Theaterproduktion „Fiasko“ Spielzeit 2016/17

Einnahmen:
Zuschuss Kulturamt                                                                      4000€
Eintritt                                                                                            2700€
Verkauf der Nutzungsrechte an TV                                                 0€
Kredit Gagenrückstellung Theobald Kannnichtanders                      600€
Kredit Produzent Peter Lustig                                                         4600€
Zusammen:                                                                         11900€
 
Ausgaben:
Saalmiete                                                                                      5000€
Werbung                                                                                        3000€
Versicherung                                                                                 1000€
Honorar Regie Peter Lustig                                                            2000€
Honorar Schauspieler Theobald Kannnichtanders                           800€
Honorar Autor Theobald Kannnichtanders                                       100€
Zusammen:                                                                         11900€

Das bedeutet:


Theobald Kannnichtanders bekommt erstmal 300 €.
Und wenn sich irgendwann mal die Hoffnung auf „Verkauf der Nutzungsrechte an TV“ realisiert, bekommt er 600 € nachgezahlt.
 
Dazu der Vertrag:

§ 2 Theobald Kannnichtanders wird von Peter Lustig in der Rolle „Henker“ in „Fiasko“ engagiert.
§ 3 Er ist durch die Beteiligung an Improvisationen, aus denen das Stück entwickelt wird, Mitautor. Sein Anteil an der gemeinsamen Urheberschaft wird einvernehmlich auf 20 % festgelegt.
§ 4 Er erhält 900 € Honorar, davon zunächst am 13.2.2007 300 €. Auf das restliche Honorar in Höhe von 600 € verzichtet er solange, wie die Einnahmen die Zahlung nicht zulassen.
§ 5 Die von beiden unterzeichnete Budgetplanung vom 8.9.2006 ist Vertragsbestandteil.

 

Rückstellungsverträge soll es auch für Arbeitnehmer geben – sorry, ich kann‘s mir nicht vorstellen.

 

 

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zuletzt aktualisiert: 12.02.2014