Künstlerberatung Stefan Kuntz

Private Krankenversicherung: ja oder nein?

·       Familie: Kinderkrankengeld und Mutterschaftsgeld in der GKV
·       Welche private KV? Tarife
·       Was ist sinnvoller? PKV oder GKV?
·       Probleme im Rentenalter. Notlösung.
·       Als KSK-Mitglied in die private Krankenversicherung?
·       Keine Wahl: in der PKV bleiben
·       Rückkehr in die gesetzliche nur für KSK-Berufsanfänger
·       Rückkehr in die gesetzliche für Angestellte
·       drei andere Notlösungen
 
Freiwillige Weiterversicherung von Nicht-KSK-Selbständigen
in der GKV

·       Regelbeitrag
·       Beitrag für Bedürftige
·       Mindestbeitrag
·       Beitrag für nebenberuflich Tätige
 
Beiträge in der GKV im unteren Einkommensbereich
·       Familienversicherung
·       Geringfügigkeitsgrenze
·       Notlösung: Kursleiter- und Ehrenamtspauschale
·       Gute Lösung: Midi-Job
·       Definition Bedürftigkeit
·       Studenten Achtung: raus aus der PKV!
 
 
Die privaten Krankenkassen berechnen ihre Beiträge nicht nach Einkommen, sondern nach Risiko: Ledige, junge Männer zahlen meist weniger als in der gesetzlichen, wenn sie viel verdienen. Familien und ältere Frauen mehr.
 
Ein Teil der Beiträge, die Sie an eine private Krankenversicherung zahlen, wird als sogenannte Altersrückstellung angespart. Damit soll ausgeglichen werden, dass Sie mit zunehmender Versicherungsdauer bzw. zunehmendem Alter zumindest statistisch gesehen größere Behandlungskosten verursachen. Diese Altersrückstellungen können beim Wechsel von einer privaten Krankenversicherung zur anderen theoretisch seit kurzem mitgenommen werden, aber meist nur in sehr begrenztem Maß.
 

 
Familie?
 
Wenn Sie eine Familie planen, hält die private Krankenkasse weniger Leistungen bereit. Während des "Erziehungsurlaubs" läuft bei den Privaten die Krankenversicherung nicht kostenfrei weiter. Kinderpflegegeld oder Krankentagegeld im Fall, dass Kinder krank werden, gibt es ebenso wenig.
 
Anders bei der GKV:
Kinderkrankengeld: Für (gesunde) Elternteile gibt’s Krankengeld, wenn sie sich um ihre kranken Kinder kümmern müssen, und zwar 10 Arbeitstage lang, bei mehreren Kindern insgesamt 25 Arbeitstage/Jahr, bei Alleinerziehenden 20 Tage, bzw. insgesamt 50 Arbeitstage/Jahr.
Die Krankenkassen zahlen ab dem 1. Tag der ärztlich festgestellten Krankheit des Kindes bei Vorliegen der sonstigen Voraussetzungen.
Diese Leistung gibt es nur bei einem gesetzlichen Anspruch auf Krankengeld des versicherten Elternteils, also für KSK-Versicherte sowieso, für andere Selbständige nur bei Abschluss des allgemeinen Beitragssatzes. Bei Abschluss zum ermäßigten Beitragssatzes und eines Wahltarifs entfällt diese Leistung.
Für Mutterschaftsgeld gilt das Gleiche. Für die Dauer des Bezugs von Mutterschaftsgeld sind alle gesetzlich Versicherten beitragsfrei versichert. Mutterschaftsgeld ist wie auch das Elterngeld steuer- und sozialabgabenfrei.
 
Welche private Krankenkasse?
 
Die Stiftung Warentest testet immer wieder private Krankenver­sicherungen. Finanztest (12/2006) nannte als bestes Angebot die Hallesche, 274 EUR Monatsbeitrag, bezogen auf einen 35-jährigen Freiberufler mit 550 EUR Selbstbehalt.
Die meisten PKV bieten verschiedene Tarife an – mit verschiedenen Leistungen. Zum Beispiel ist nicht in allen Psychotherapie enthalten.
Bei Vertragsabschluss müssen Vorerkrankungen ehrlich angegeben werden, sonst keine Leistung.
 
Weitere Vergleiche finden Sie beispielsweise unter www.pkv-online.de oder www.fss-online.de.
 
Es ist in jedem Fall sinnvoll, sich nicht nur die aktuellen Testergebnisse bzw. Tarife anzuschauen. Wer die Beitragsentwicklung einer PKV für einige Jahre rückwärts betrachtet, hat auch Anhaltspunkte, um für die Zukunft Prognosen anzustellen. Wenn man die Zahlen betrachtet, sieht man, dass die Privaten für einen Großteil ihrer Vollversicherten ab 1995 die Prämien im Schnitt um 18 % erhöht haben, ab 2003 um 10 %, ab 2004 Allianz um 3 %, DKV um 3,4%, Continentale um 4,3 %, Debeka um 7 %, Central um 8 %, in 2010 um 5 bis 15%.
Eine private Krankenkasse nimmt von jungen, männlichen, knackigen (nach Vorerkrankungen wird gefragt!) Freiberuflern monatlich z. B. 195 €. Das bedeutet: dieser junge Mann (nicht Künstler) muss mehr als ca. 1.388 € verdienen, bevor er in der Privaten weniger Beitrag zahlt als in der gesetzlichen.
Finanztest (12/2006) fand als beste heraus: Hallesche, 274 € Monatsbeitrag für einen 35-jährigen Freiberufler mit 550 € Selbstbehalt.
 
TIPP: es ist durchaus sinnvoll, nicht nur die aktuellen Testergebnisse anzuschauen. Wer die Beitragsentwicklung einer PKV für einige Jahre rückwärts betrachtet, kann vielleicht für die Zukunft Prognosen besser anstellen.
 
Was ist sinnvoller? Privat oder gesetzlich?
 
Wer jung ist, ledig bleibt und auf Dauer gut verdient, der sollte das Spekulieren auf ein mögliches Bestehen der preiswerten Krankenversicherung für Rentner in der GKV ab - sagen wir - 2040 nicht mitmachen, sondern in eine PKV mit solider Altersrückstellung eintreten.

Die private KV hat neben dem vielleicht für manche Versicherte günstigeren Beitrag noch einige andere Vorteile:

·       Keine Praxisgebühr

·       Keine Rezeptgebühr

·       Meist weniger Wartezeiten

·       Je nach Tarif meist 2-Bett-Zimmer im Krankenhaus

·       Je nach Tarif meist Chefarzt-Behandlung im Krankenhaus
 
Wenn er jedoch älter ist, sollte er darauf hoffen, dass es im Jahre 2025 noch eine preiswerte Krankenversicherung für Rentner in der GKV gibt und in die GKV gehen.
Nicht gesetzlich, sondern privat krankenversichert zu sein, kann zu Problemen im Rentenalter führen. Man kann sich dann nicht mehr günstig in der gesetzlichen Krankenversicherung der Rentner versichern. Voraussetzung: mindestens 9 Zehntel der 2. Hälfte deines Erwerbslebens warst du Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung oder familienversichert. Dabei ist es egal, ob du Pflicht- oder freiwilliges Mitglied warst.
Notlösung: Bei privat versicherten Rentnern kann der alte Standardtarif den Vorteil haben, dass der Höchstbeitrag auf 150 % des Höchstbeitrags der gesetzlichen Krankenkasse begrenzt sein muss.
 
Als KSK-Mitglied in die private Krankenversicherung?
Wenn der junge Mann aus unserem Beispiel oben über die KSK versichert ist, liegt die Einkommensschwelle, ab der sich die private Kranken­versicherung lohnt, sogar doppelt so hoch als die oben erwähnten 1.388 EUR.
 
Von der KSK gibt es einen Zuschuss zum Beitrag in der Privaten. Sie bekommen von der KSK jedoch nur den Zuschuss, den sie auch für die Gesetzliche zahlen würde. Wer 1.000 EUR monatlich verdient, aber in der Privaten dennoch 195 EUR bezahlt, bekommt nur ca. 7 % des Monatsverdienstes als Zuschuss, also 70 EUR. Der Zuschuss errechnet sich aus dem voraussichtlichen Arbeitseinkommen, wird aber im Nachhinein korrigiert, was in der GKV nicht passiert.
 
Für KSK-Versicherte ist eine Befreiung von der Krankenversicherungspflicht erst möglich, wenn ihre Einkünfte in den letzten drei Jahren über der Versicherungspflichtgrenze lagen (der Verdienstgrenze, bis zu der eine gesetzliche Krankenversicherung für Pflichtversicherte vorgeschrieben ist). Für die Jahre 2010 bis 2013 sind das zusammen 152.550 EUR.
 
Wer sich als KSK-Mitglied privat krankenversichern will, muss von der privaten Krankenkasse eine Bestätigung erbringen, dass ihre Leistungen in der Art mit denen der gesetzlichen vergleichbar sind. Dieses Formular heißt "Befreiung von der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht /Zuschussantrag" (Download bei der KSK).
 
Keine Wahl: an die PKV gekettet
Wer als NICHT-KSK-Selbständiger jetzt nicht versichert ist und zuletzt privat versichert war oder überhaupt nie versichert war, muss seit 2009 in die private Krankenversicherung.
 
 
Rückkehr in die gesetzliche?
 
Wer wegen seines hohen Einkommens (in den letzten 3 Jahren insgesamt mehr als 152.550 EUR) in die private Krankenversicherung gewechselt ist und deshalb in der KSK beitragsfrei war, nun aber wieder weniger verdient, kann nicht zurück in die gesetzliche Krankenversicherung. Nur Berufsanfänger in der KSK haben eine Chance, aus der Privaten in die Gesetzliche zu wechseln und zwar nur einmal, vor dem Ende der dreijährigen Phase des Berufsanfängerschutzes. Diese 3 Jahre werden ab Beginn der selbständigen Tätigkeit gerechnet! Das Ende dieser Frist sollten Sie sich, wenn Sie als PKV-Mitglied eine "KSK-Tätigkeit" aufgenommen haben, im Kalender vormerken und auf keinen Fall versäumen. Sonst bleiben Sie fürs Leben an die PKV gekettet und müssen womöglich als Rentnerin astronomische Beiträge zahlen. Die betragen etwa momentan nach 30 Beitragsjahren bei der "besten" Privaten, der DEBEKA, 412 EUR, am höchsten liegen sie bei der "Halleschen" mit über 600 EUR - die Steigerung der Höchstbeiträge seit 1990 beträgt um die 180 % - und die KSK zahlt keinerlei Zuschuss.
 
Angestellte
Für Angestellte sieht es übrigens so aus: Bei einem Gehalt über der Krankenversicherungspflichtgrenze (2014: 53.550 € / Jahr) kann frau sich privat versichern; wenn sie mit ihrem Einkommen absinkt, muss sie wieder in die Gesetzliche - es sei denn, sie nimmt die dann allerdings einmalige und unwiderrufliche Wahlmöglichkeit wahr, bei der Privaten zu bleiben. Eine Rückkehr in die Gesetzliche ist für über 55-jährige nur möglich, wenn sie zwischen dem 50. und dem 55. Lebensjahr mindestens zweieinhalb Jahre gesetzlich versichert waren.
 
 
vier andere Notlösungen
Doch zurück in die GKV
:
 
1. ) Wenn Sie in einer privaten Krankenversicherung waren, älter sind und gerne aus der Privaten raus und zur Gesetzlichen wechseln wollen, müssen Sie es bewerkstelligen, erneut selbständiger Künstler im Sinne der KSK zu werden und sich ebendort zu versichern - und zwar, bevor Sie 55 Jahre alt sind.
Wer über die Aufnahme in die KSK raus will aus der privaten und rein will in die gesetzliche, wird in der gesetzlichen erst ab dem 1. des Monats versichert, der auf den Monat folgt, in dem er von KSK die Aufnahmebestätigung erhalten hat.


2.) Die andere Möglichkeit (die für viele aber leider keine ist): Sie beenden Ihre Selbstständigkeit und lassen sich wieder anstellen oder beziehen Arbeitslosengeld.
 
 
Fall-Beispiel:
Ein Grafiker hatte einmal gut verdient und war jung und solo. Also glaubte er dem Versicherungsagenten und ging in die PKV. An die KSK hat er nie gedacht. Plötzlich war er älter und hatte ein Kind. Außerdem machte die schlechte Konjunktur vor der Werbebranche nicht halt. Den PKV-Monatsbeitrag von 600 € konnte er sich nicht mehr leisten. Er versuchte zwei Jahre lang vergeblich, sich über die KSK zu versichern: immer wieder abgelehnt.
Deshalb ließ er sich für 470 € als Hausmeister anstellen. Aber die GKV wollte ihn nicht, davon könne er ja wohl nicht leben. Erst nach einem halben Jahr Streit und anwaltlicher Hilfe hat ihn die GKV versichert und er konnte die PKV kündigen. Inzwischen hatte er auch mit Hilfe von mir und einem Anwalt vor dem Sozialgericht gegen die KSK gesiegt. Teilweise hat er nun doppelt Beiträge gezahlt. Ob er die nun von der KSK erstattet bekommt? Und seine Kosten mit dem ganzen Verfahren?
 
 
Freiwillige Weiterversicherung von Nicht-KSK-Selbständigen in der GKV
 
(KSK-Versicherte sind pflichtversichert!)
 
Selbständige können sich nur dann freiwillig weiterversichern in einer gesetzlichen Krankenkasse, wenn sie bereits vorher dort versichert waren und wenn sie diese Weiterversicherung innerhalb von 3 Monaten nach dem Ende der bisherigen Versicherungspflicht beantragen. Wer als Selbständiger in letzter Zeit nicht versichert war, aber irgendwann mal gesetzlich versichert war, kann und muss wieder seit dem 1.4.2007 in seine alte gesetzliche Versicherung zurück und muss seit diesem Datum rückwirkend Beiträge zahlen. Er riskiert Säumniszuschläge bei seiner Krankenkasse von 1 % / Monat (12 % im Jahr).
Der Regelbeitrag beträgt 2014 14,9 % + 2,3 % Pflegeversicherung (Kinderlose ohne Krankengeldanspruch) von 4.050 € = 696,60 €. Damit man bei der Anmeldung nicht automatisch mit dem Höchstbeitrag zur Kasse gebeten wird, ist ein Antrag nötig.
 
Der Mindestbeitrag für hauptberuflich Selbständige beträgt ohne Offenlegen sämtlicher Vermögensverhältnisse rund 356,69 € (ohne Kinder, ohne Krankengeldanspruch, mit Pflegeversicherung, Mindestbemessungsgrundlage 2014 2.073,75 €) und erhöht sich möglicherweise nach Vorliegen des Einkommenssteuerbescheides auf ca. max. 697 €.
Freiwillig versicherte Selbständige (ohne KSK) müssen im Nachhinein ihr reales Einkommen fristgerecht melden, dann erfolgt nur für diese Gruppe eine Neufestsetzung (sonst gibt es das nicht!).
 
Für bedürftige, hauptberuflich Selbständige mit geringem Einkommen, die nicht über die KSK versichert sind, gilt ein fiktives Einkommen in 2014 von 1.382,50 €, was zu einem günstigen Beitrag führt von ca. 238 € (ohne Kinder, ohne Krankengeldanspruch, mit Pflegeversicherung). Um davon zu profitieren, muss man diesen Tarif beantragen und bei den Krankenkassen ein mehrseitiges Formular anfordern und seine ganzen Vermögensverhältnisse offenlegen, ähnlich wie bei ALG II.
Existenzgründer zahlen ebenfalls mindestens 238 € (Mindestbemessungsgrundlage 1.382,50 €).
 
Für erwerbslose oder nebenberuflich Selbstständige („Sonstige freiwillig Versicherte“, Mindestbemessungsgrundlage 921,67 €) gibt es den Mindestbeitrag von ca. 159 €.
 
Angestellte müssen für ihre nebenberuflichen Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit keine Sozialversicherungsabgaben zahlen, wenn das nicht der Mittelpunkt ihrer Berufstätigkeit ist, d.h. je nach Fall wenn sie keinen Mitarbeiter haben, unter 20 Wochenstunden selbständig arbeiten, wenn sie weniger als die halbe monatliche Bezugsgröße Gewinn machen (2014: 2.765 € (50 % = 1.382,50 €), wenn der Gewinn geringer ist als das Gehalt in der Angestelltentätigkeit. Versicherte müssen ihre KV wahrheitsgemäß informieren, bei einer eventuellen Prüfung müssen sie möglicherweise die Beitragsdifferenz nachzahlen.

Liegt das nebenberufliche Einkommen als rentenpflichtversicherter Selbständiger (z.B. freiberuflicher Lehrer) über 450 €, müssen unabhängig von der KV-Pflicht RV-Beiträge gezahlt werden.
 
Beiträge in der GKV im unteren Einkommensbereich
 
Wer in der Familienversicherung über seinen Ehepartner mitversichert ist, bekommt meist jährlich eine Nachfrage seiner Krankenkasse, ob der Hausmann / die Hausfrau / das Kind tatsächlich weiterhin nichts verdient.
Wenn frau nur einen Minijob hat, bleibt alles wie es war.
Wenn mann nur eine selbständige Tätigkeit mit einem Gewinn unter der Geringfügigkeitsgrenze von 450 € /Monat hat, bleibt ebenfalls alles wie es war, d.h. Familienversicherung.
Wenn frau aber beides hat, also einen Minijob und eine kleine selbständige Tätigkeit, dann kommt sie mit beidem zusammen über die Geringfügigkeitsgrenze von 450 € /Monat auf vielleicht z.B. 530 €/Monat und muss eigene Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen und zwar – und das ist der Hammer! – rund 159 € für Kranken- und Pflegeversicherung (Siehe oben)! Und das ist der kleinstmögliche Mindestbeitrag für nebenberuflich Selbständige unter 18 Wochenstunden.
Wenn frau zwar keinen Minijob hat, aber die Gefahr besteht, dass frau mit ihrer selbständigen Tätigkeit über die Geringfügigkeitsgrenze von 450 € /Monat kommt, kann es vielleicht eine Lösung geben, wenn sie ihre selbständigen Einnahmen im Rahmen des Kursleiterfreibetrages von 2.400 € UND der Ehrenamtspauschale von 720 € /Jahr erzielt hat. Diese Freibeträge sind erfreulicherweise einkommensteuer- und sozialversicherungsfrei.
Wer also bei gemeinnützigen Institutionen im Jahr 8.000 € eingenommen hat, kann davon maximal 3.120 € an Freibeträgen abziehen, verbleiben 5.880 €. Wenn er dann noch Ausgaben von 480 € nachweisen kann, kommt er auf 5.400 € und damit hat er die Geringfügigkeitsgrenze nicht überschritten. Wenn er nur 400 € Ausgaben nachweisen kann, hat er die Geringfügigkeitsgrenze um 80 € überschritten und muss 2014 monatlich 158,53 € Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen. Wenn er – wie so oft - keine Ausgaben nachweisen kann, darf er maximal 8.520 € über Kursleitertätigkeit und Ehrenamt einnehmen.
 
Die Krankenkassen berücksichtigen bei Ehepartnern und Kindern auch Miet- und Pachteinnahmen, Weihnachtsgeld u.ä., Einkünfte aus Kapitalvermögen, Renten, Hinterbliebenenrenten und steuerpflichtige Unterhaltszahlungen. Dagegen sollten Werbungskosten, Ausgaben, Ansparinvestitionen, Sparerpauschbetrag gerechnet werden.Für andere Einkünfte von Familienversicherten, wie etwa Mieteinnahmen und Zinsen, liegt die Einkommensgrenze ab 2014 bei 395 Euro. 
Die Kassen können die Beiträge rückwirkend für 4 Jahre einziehen.
 
3. Gute Lösung Midi-Job
Wenn mann einen Midijob hat, also in der Gleitzone, von z. B. 470 €, ist er nicht mehr über seine Frau versichert, sondern selbst und günstig komplett versichert. Wenn er außerdem noch eine selbständige Tätigkeit hat, muss es dafür nix zusätzlich zahlen, wenn der Gewinn unter 450 € bleibt. Wenn die Grenze überschritten wird, muss die Krankenkasse eine individuelle Prüfung vornehmen und hat dabei einen gewissen Spielraum: Ist die selbständige Tätigkeit mit einem Gewinn von z.B. 450 € die Tätigkeit, die mehr Zeit braucht als der Midijob von 470 €, die die wirtschaftlich höhere Bedeutung hat? Ist sie als hauptberuflich anzusehen? Wenn ja, dann müssen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge von mindestens rund 238 € (bei Bedürftigkeit der gesamten Familie) gezahlt werden. Wenn die Tätigkeit als nebenberuflich angesehen werden kann (wie oben), bleibt es bei rund 158 €.

4. Der Wechsler wird familienversichert über ein Familienmitglied, das gesetzlich KV-versichert ist.
 
Definition Bedürftigkeit
Nach den „Einheitlichen Grundsätzen zur Beitragsbemessung freiwilliger Mitglieder der GKV…“ ist eine „besondere Bedürftigkeit“ ausgeschlossen, wenn das Gesamteinkommen 4.147,50  für den Selbständigen und seine Partnerin übersteigt (plus 539 € für jedes Kind), die steuerpflichtigen Einkünfte höher sind als der Kapitalsteuerfreibetrag (801 €), wenn vermietet oder verpachtet wird, wenn einer von beiden mehr als 10.780 € Vermögen hat.
Liegt das Einkommen einer bedürftigen Familie darüber und zwar zwischen 1.277,50 und 1.916,25 € fallen die üblichen Prozente für Kranken- und Pflegeversicherung an, nämlich 16,5 % (für Kinderlose).
Ist der Versicherte (und seine Familie) nicht bedürftig und liegt das Einkommen 2014 unter 2.073,75 €, kostet Kranken- und Pflegeversicherung rund 342 €. Bei einem Einkommen über 2.073,75 € wieder die üblichen Prozente bis zur Höchstgrenze von rund 700 €.
 
Studenten: Achtung: raus aus der PKV!
Familienversichert (beitragsfrei über deine Eltern) bist du bis zum 25. Geburtstag nur, wenn beide Eltern gesetzlich versichert sind (oder ein Elternteil privat versichert ist, aber weniger als der gesetzlich versicherte verdient und zwar 2014 unter 53.550 €/Jahr), dein Einkommen unter 395 € (Minijob bleibt außen vor).
Studenten ohne Familienversicherung und die, die älter als 25 sind, zahlen 2014 74,50 € für Kranken- und Pflegeversicherung. Wenn sie mehr als 14 Semester hinter sich haben oder über 30 Jahre sind, zahlen sie 121,20 € (TK) bzw. 158,53 € (BEK). Bis zu einem Gewinn von ca. 1.200 € je Monat zahlen sie weniger und zwar für Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung zusammen, wenn sie über die KSK versichert sind.
Sind Studenten schon immer privat versichert (weil das in der gut betuchten Familie schon immer Tradition ist - Beamte sind über die Beihilfe versichert und schließen oft eine private Zusatzversicherung ab), so sollten sie sobald wie möglich in die gesetzliche KV, das heißt, sobald sie angestellt werden oder selbständige Künstler sind. Bitte nicht denken: „Das hat ja noch Zeit.“

Nein, das hat keine Zeit.

Überhaupt nicht.

 

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zuletzt aktualisiert: 12.02.2014