Lieber Arbeitnehmer als Selbständiger?
Künstlerberatung Stefan Kuntz

Ist die Anstellung doch die bessere Alternative? (Special)


Mit Startup-Förderung und anderen Bonbons wird einem die Selbständigkeit vom Staat schmackhaft gemacht (vor allem Arbeitslosen). Aber dann kommen dem frischen Selbständigen vor allem im Kulturbereich doch so gewisse Zweifel, ob das der richtige Weg ist:


  • Erst wirft einem die Künstlersozialkasse Knüppel zwischen die Beine, weil die eingereichten Unterlagen nicht ohne Zweifel belegen, dass man nur das macht, was die KSK unter „Kunst“ versteht.

  • Und auch wenn frau glücklich versichert ist über die KSK,  fragt sie sich, ob frau z.B. mit dem kleinen Handel nebenbei doch über die zulässige Grenze von 5.400 € kommt und dann Ärger kriegt.

  • Dann erfährt mann, dass immer mehr Auftraggeber von der Dt. Rentenversicherung überprüft werden  und die eigene Tätigkeit dabei möglicherweise als „scheinselbständig“ verstanden werden könnte, und mann bekommt Angst vor Konsequenzen, die mann nicht absehen kann. (Die Konsequenzen muss vor allem der Auftraggeber tragen.)

  • Also überlegt frau, ob eine solide Anstellung – möglichst nach Tarifvertrag, möglichst im Öffentlichen Dienst – nicht doch die bessere Alternative ist gegenüber der ach so komplizierten Selbständigkeit.

  • Na ja, die Selbständigkeit ist dann weitgehend hin. Als Arbeitnehmerin unterliegt frau Weisungen, ist eben abhängig beschäftigt.

  • Aber mann bekommt im Krankheitsfall sofort Krankengeld als Lohnfortzahlung und nicht erst im Regelfall nach 6 Wochen Krankheit wie über die KSK (wobei man ja vorgezogenes Krankengeld extra versichern könnte).

  • Beim Mutterschaftsgeld gibt’s keine großen Unterschiede. Elterngeld ist für Selbständige ganz schön kniffelig, aber machbar.

  • Als Arbeitnehmer erwirbt mann Anspruch auf Arbeitslosengeld. Nach 12 Monaten im Job könnte man 6 Monate ALG 1 erhalten. (Aber auch als Selbständiger könnte mann unter sehr begrenzten Voraussetzungen eine freiwillige Versicherung gegen Arbeitslosigkeit abschließen).

  • Als Arbeitnehmerin genießt frau Kündigungsschutz. Bei einem befristeten Arbeitsvertrag läuft der Kündigungsschutz aber maximal bis zum Ende der Befristung. (Ein mit einem Selbständigen abgeschlossener Werkvertrag kann vom Auftraggeber in der Regel nicht gekündigt werden.)

  • Als Arbeitnehmer haftet mann in der Regel nicht für Schäden, die mann verursacht hat. (Als Selbständiger ist das anders und deshalb schließt mann eine Berufshaftpflichtversicherung ab.)

  • Als Arbeitnehmerin hat frau Anspruch auf Urlaub und erhält manchmal bestimmte Bonus-Zahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. (Letzteres gibt es ganz selten bei Honorarkräften auch, ist aber natürlich nicht tariflich geregelt – um das und vieles andere auszugleichen, müsste eben das Honorar deutlich höher sein als der Lohn.)

  • Als Arbeitnehmer ist mann zusätzlich, gratis und automatisch komfortabel bei der Berufsgenossenschaft gegen Berufsunfälle versichert (Bei Selbständigen geht das auch freiwillig und teuer.)


FAZIT:

 
Eine Anstellung erscheint mir nicht per se die bessere Alternative, sie ist – gerade für Berufsanfänger – aber sicher der bequemere Weg. Man arbeitet in der Regel im Team, lernt von erfahrenen Kolleginnen. Der Arbeitgeber und die Tarifverträge regeln alles, aber mann wird eben geregelt. Falls frau die Wahl hat zwischen einer Anstellung und einer selbständigen Tätigkeit, wird eine Entscheidung auch von der eigenen Mentalität abhängig sein.

 

                                          08.10.2017

 

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zuletzt aktualisiert: 8.10.2017