Künstlerberatung Stefan Kuntz

Mein Foto soll nicht irgendwo im Internet herumgeistern (Special)

Fotos und Filme sind durch die Digitalisierung und das Internet einfacher in der Verbreitung geworden.
Das ist schön für die Kulturschaffenden, die damit für sich und ihre Kunst werben wollen.
Gleichzeitig stoßen sie aber auf Widerstand der Abgebildeten, weil die Fotografierten sich sorgen, dass sie die Verbreitung ihrer Bilder nicht mehr kontrollieren können.
Das führt dazu,

dass (1) Eltern der Schule ihrer Kinder ausdrücklich mitteilen, dass ihre Kinder von niemandem fotografiert werden dürfen,

dass (2) Künstler bei ihrem Auftritt (Presse-)Fotografen ausschließen wollen,

dass (3) Künstler ihren Auftritt abbrechen, wenn sie im Publikum Handykameras sehen,

dass (4) Zuschauer sich aufregen, wenn sie als Teil des Publikums fotografiert werden,

dass (5) Kursteilnehmer Fotos, Ton-oder Filmaufnahmen während eines Kreativworkshops zwar zulassen, hinterher aber deren Veröffentlichung auf YouTube verhindern wollen.


Wie sieht die rechtliche Lage aus?


Bleiben wir bei den Beispielen:


1.       Auch schulintern dürfen Fotos solcher Kinder nicht veröffentlicht werden, auch nicht in der Schulzeitung. Aber ein Pressefotograf darf Fotos dieser Kinder während eines (öffentlichen) Martinszuges als Teil der Gruppe im Rahmen der aktuellen Berichterstattung veröffentlichen, aber nicht ein Porträt eines einzelnen Kindes mit Laterne und nicht, wenn jemand ihm sagt „Ich will das nicht.“


2.       Künstler sind Personen der Zeitgeschichte und müssen Veröffentlichungen von Aufnahmen bei ihrem öffentlichen Auftritt dulden, allerdings auch nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung und die ist nach herrschendem Gebrauch auf 3 Minuten Sendezeit begrenzt, also nicht für Archivierung und Werbung.


3.       Bild-, Ton und Videoaufnahmen aus dem Zuschauerraum heraus dürften wohl eher für den privaten Gebrauch bestimmt sein und fallen deshalb nicht unter das Verbot der Nutzung als Veröffentlichung. Wenn aber ein solches Handy-Video mit irgendeiner Auftrittspanne dann doch auf STUDIVZ auftaucht, ist der Künstler mit Recht sauer und hat große Mühe, diese Veröffentlichung rückgängig zu machen. Wenn deshalb der Künstler mit dem Veranstalter schriftlich vereinbart hat, dass der Veranstalter dieses Verbot durchsetzt und er dann bei Verstoß seinen Auftritt abbricht, halte ich das dennoch für wenig angemessen. Eine klare vorherige, schriftliche Regelung ist also sinnvoll, kann aber zu „bösem Blut“ führen. Vielleicht kann das vermieden werden, indem das Publikum gebeten wird, z.B. nicht zu blitzen und durch Aushang auf die Gesetzeslage hingewiesen wird, dass nämlich jede Form der Veröffentlichung einer vorherigen Nutzungserlaubnis (KunstUrhG § 22) bedarf, andernfalls Schadenersatz (KunstUrhG § 48) geltend gemacht werden kann.


4.       Sofern es sich um eine öffentliche Veranstaltung handelt und das Foto nur das Publikum insgesamt zeigt und nicht einzelne herauszoomt, muss der Zuschauer das hinnehmen. Es kann ein Hinweis am Eingang oder auf dem Ticket zusätzliche Sicherheit geben, mit dem das Publikum auf das Fotografieren und die beabsichtigte Veröffentlichung hingewiesen wird. Mehr: http://www.eventfaq.de/25612-fernsehaufnahmen-von-zuschauern-im-stadion/#more-17383


5.       Wenn Kursteilnehmer Fotos, Ton- oder Filmaufnahmen während eines Kreativworkshops zwar zulassen, hinterher aber deren Veröffentlichung auf YouTube verhindern wollen, so ist das deren gutes Recht. Wenn man jemandem gestattet Fotos etc. zu machen, hat man ihm noch nicht das Recht gegeben, diese Aufnahmen für eine Veröffentlichung zu nutzen, schon gar nicht außerhalb der aktuellen Berichterstattung. Also: die Genehmigung gilt als konkludent erteilt, wenn ein Journalist mit Fotograf anrückt und zu erkennen gibt, „ich will für meine Tageszeitung berichten“ und keiner sagt „Nein!“. Wenn aber der Veranstalter Aufnahmen macht und diese zunächst der Arbeitskontrolle dienen sollen, dann aber später auch der Werbung für den Veranstalter, dann kann der Teilnehmer sagen „Nee, das geht mir zu weit!“. Wenn alle Teilnehmer aber der Nutzung der Aufnahmen für die Veröffentlichung auf einer DVD für den Zuschussgeber und eine definierte Fachöffentlichkeit zugestimmt haben und einzelne die Zustimmung hinterher widerrufen, hat der Veranstalter ein Problem: es kostet ihn nämlich Geld, Mühe und Imageverlust, einzelne Passagen aus den Videoaufnahmen wieder herauszuschneiden bzw. die versandten DVDs zurückzurufen.


Fazit:


Sollen die Aufnahmen veröffentlicht werden, sollte vorher eine schriftliche Zustimmung des Abgebildeten eingeholt werden, so mühsam das auch ist. Dabei sollte der Verwendungszweck genau definiert werden.
Ein solche schriftliche Zustimmung wird im professionellen Fotografie-Bereich „Model Release“ genannt. Folgend ein Vorschlag, der auf die jeweiligen Gegebenheiten unbedingt abgeändert werden muss.


Zwischen dem Veranstalter/Auftraggeberin/Kursleiter, Herrn xy und dem Künstler/Schülerin/Teilnehmer Isolde Musterfrau wird folgendes vereinbart:

Der Künstler/Schülerin/Teilnehmer ist einverstanden, dass Foto-, Audio- und Filmaufnahmen während des Unterrichts / der Aufführungen von ihm bei seinen Aktivitäten als Tänzer/ … vom Veranstalter/Auftraggeberin/Kursleiter und seinen Beauftragten gemacht werden.

Er ist mit der Veröffentlichung dieser (auch bearbeiteten) Fotos einverstanden ohne räumliche, zeitliche, sachliche Einschränkungen / mit folgenden Einschränkungen: …. /nur für folgende Nutzungen: (z.B. Berichterstattung und Werbung auf der Website des Veranstalters, in seinen Prospekten, Plakaten, Berichten und Anträgen, Anfertigung von Pressefotos z.B. auch zum Download…….

und mit der Veröffentlichung der Filme einverstanden ohne Einschränkungen / mit folgenden Einschränkungen: ….. /nur für folgende Nutzungen: (z.B. nur aktuelle Berichterstattung bis zu 3 Min. Sendezeit, nur im öffentl.-rechtl. Fernsehen, im Lokalfernsehen, nicht aber [oder doch] auf Facebook, myspace, twitter, YouTube etc.)

mit der Veröffentlichung der Audioaufnahmen einverstanden ohne Einschränkungen / mit folgenden Einschränkungen: ….. /nur für folgende Nutzungen:  
Für diese unwiderrufliche Erlaubnis erhebt der Künstler/Schülerin/Teilnehmer keine (auch finanziellen) Ansprüche. Das Honorar für diese Nutzungen ist bereits enthalten in der Gage / in einem Nachlass in der Teilnehmergebühr. Mit der Nennung meines Namens in der Bildunterschrift, im Film(-Abspann) ist der Künstler/Schülerin/Teilnehmer einverstanden. Die Entscheidung über die Namensnennung überlässt der Künstler/Schülerin/Teilnehmer dem Veranstalter/Auftraggeberin/Kursleiter zu.

Datum/Ort/Unterschriften:
Im Falle von Minderjährigen: die Erziehungsberechtigten:


Mehr auf
http://www.rechtambild.de/2011/10/kunsturhg/#22
http://www.rechtambild.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/01/handbuch.pdf
http://www.djv.de/fileadmin/DJV/Journalismus_praktisch/Arbeitsfelder/Arbeitsfelder_Freie/Honorare/DJVWissen_2-2008.pdf, S. 73 ff.

 

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz. Alle Rechte: Stefan Kuntz

War das für Sie hilfreich?


Wie wär's dann mit einer Spende?
zuletzt aktualisiert: 20.06.2012