Künstlerberatung Stefan Kuntz

Die Hälfte mehr!

Acht Bitten an die Auftraggeber von Künstlern (Special)

 

  1. Bitte bedenken Sie, dass eine Unterrichtseinrichtung für eine freiberufliche Künstlerin viel geringere Sozialversicherungsaufwendungen hat als für eine angestellte Lehrerin. Bei einem Arbeitnehmerverhältnis im Kreativbetrieb müssen 2016 insgesamt ca. 51,4 % für die Sozialversicherung aufgewandt werden.  Für eine freiberufliche Künstlerin müssen Sie jedoch nur die KSK-Abgabe von rd. 5 % entrichten. Eine Honorarkraft wäre für Sie ca. 30 % günstiger, wenn Sie sich überhaupt nicht um die soziale Absicherung Ihrer Freiberuflerin kümmern.
  2. Um die soziale Absicherung einer freiberuflichen Künstlerin der Absicherung einer Angestellten anzunähern, muss die Künstlerin zusätzlich zum Honorar von Ihnen wenigstens einen Anteil zu ihrer Kranken- und Pflegeversicherung erbitten  (rd. 18,05 %), zur Rentenversicherung (18,7 %), zu einer Alterszusatzversorgung  (durchschnittlich 9 %), und zur Arbeitslosenversicherung auf Antrag (85 €/Monat). Außerdem sollte sie sich noch zusätzlich gegen Berufsunfälle (450 €/Jahr) versichern und eine Berufshaftpflichtversicherung (150 €/Jahr) abschließen.
  3. Bedenken Sie bitte auch, dass eine freiberufliche Künstlerin selbst für ihre Fortbildungen aufkommen muss, dass sie Ihnen möglicherweise Materialien, Kostüme, Musikbeispiele und Instrumente gratis für den Unterricht zur Verfügung stellt, die natürlich auch irgendwann angeschafft und nach Abnutzung wiederbeschafft werden müssen.
  4. Die Umsatzsteuer wird in der Regel kein Problem sein. Die freiberufliche Künstlerin muss sie nicht berechnen, wenn Ihre Institution umsatzsteuerbefreit ist. Wenn das aber nicht so ist, dann müssen Sie Mehrwertsteuer von 19 % zusätzlich zahlen. Sie zahlen sie ja auch, wenn Sie einen Installateur mit der Reparatur der Heizung beauftragen, oder?
  5. Vielleicht erstatten Sie ihren Angestellten die Fahrtkosten (z.B. mit einem Jobticket). Erhalten Ihre Freiberufler auch solche Vergünstigungen?
  6. Wie sieht es aus mit bezahltem Urlaub und Weihnachtsgeld? Und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall?
  7. Eine Freiberuflerin muss ein Büro unterhalten, um ihre Selbständigkeit zu organisieren, braucht Unterstützung durch einen Steuerberater, muss Beiträge an Verbände entrichten.
    Wenn Sie möchten, dass Ihre freiberufliche Künstlerin Ihnen noch lange entspannten und fundierten Unterricht anbieten kann, dann sollten Sie die Freiberuflerin einer angestellten Lehrerin gleichstellen und ihr mindestens die Hälfte mehr als einer Festangestellten geben, also mindestens die Hälfte des Nettolohnes der Angestellten noch mal auf die Summe drauflegen. Sie sparen dann immer noch tüchtig.
  8. „Die Hälfte mehr“ ist die Faustformel für eine ungefähre Gleichstellung. Lassen Sie uns darüber reden.  Ich weiß, dass der Slogan „Geiz ist geil“ für Sie genauso abstoßend ist wie für mich. Und ich weiß, dass Sie meine Arbeit schätzen, genauso wie ich schätze, dass Sie sich für den Unterhalt einer Kreativ-Schule in nicht ganz einfachen Zeiten einsetzen. Das ist doch schon mal eine gute Gesprächsgrundlage, oder?

bearbeitete Version eines Artikels für die Zeitschrift "auftakt" 1/2016
 

siehe auch → Survival Kit, Kap. 3.1.6 und 14.6.1

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MÖCHTEN SIE ZU DIESEM AUFRUF STELLUNG NEHMEN? ICH WÜRDE MICH FREUEN. Ich veröffentliche Ihren Beitrag mit Namensnennung gerne an dieser Stelle.

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zuletzt aktualisiert: 25.04.2016