Künstlerberatung Stefan Kuntz

Und jetzt soll ich auch noch KSK-Abgabe zahlen? Wovon denn? - ein Hilfeschrei (Special)

Sechs Wochen lang habe ich versucht, für mein neues Projekt Zuschüsse zu bekommen – wer bezahlt mir diese Zeit?

Statt der beantragten 23.000 € bekomme ich nur 8.500 € Projektkostenzuschuss.

Statt 1600 € bekommen die Tänzer jetzt nur 600 € - natürlich sind sie sauer, aber warum lassen sie das an mir aus? Ich sei die Chefin, sagen sie, also sei ich ihre Ansprechpartnerin, und sie hätten gerne einen Vorschuss und ihre Rechnung möchte ich doch bitte schleunigst begleichen. Hallo?!

Und wenn ich von ihnen eine Vita will oder ein Foto für die Werbung, braucht das viele Erinnerungen meinerseits und dauert trotzdem Wochen. Das reicht doch einfach nicht, einfach nur tanzen zu wollen. Meine Güte.

Wie soll ich denn in dieser Situation mit solchen Leuten, aus diesem Kollektiv eine GbR machen? Manche von denen wohnen sonstwo, auch im Ausland, und sind doch nur ein paar Wochen dabei!  

Das soll in meiner Situation die einzige Möglichkeit sein, um an der KSK-Abgabe vorbei zukommen?

Aber Stiftungen wollen einen Verein als Antragsteller!

Die Compagnie ist doch ein Kollektiv. Wieso bin ich dann Einzelunternehmerin oder Inhaberin?

Und wieso tappe ich in die Falle „Scheinselbständigkeit“?

Es muss doch eine legale Möglichkeit geben, dass ich an meine Tänzerinnen Honorare zahle, ohne mit einem Fuß im Knast zu stehen?

 Könnte nicht der Verein mit mir als Inhaberin der Compagnie und der Projekt-GbR eine gemeinsame GbR gründen?

Und muss ich den GbR-Vertrag dem Finanzamt schicken? Oder wie?

Tja, keine Ahnung, wie dann die Abrechnung gegenüber dem Subventionsgeber aussehen soll.

Ich fühle mich total überfordert. Irgendwie habe mich heillos verstrickt.

Und dann will meine Haftpflichtversicherung auch noch den Eigenanteil kassieren für die Schäden, die meine Tänzerinnen angerichtet haben. Wieso ich?

Und jetzt soll ich auch noch KSK-Abgabe zahlen? Wovon denn? Wir sind doch ein Kollektiv. Aber die Tänzerinnen meutern, wenn ich ihnen jetzt auch noch die 5,2 % von dem Honorar abziehe.

Das ist doch eine Sauerei, dass die Zuwendungsrichtlinien mir Sand in die Augen streuen und so tun, als ob die KSK-Abgabe im Honorarrahmen enthalten ist. Die muss doch oben drauf!

Wo soll ich bloß mit meiner Wut hin?

Warum sagen die Kollegen „Ach ja, hm, tja, hm, ach jetzt lass uns doch über was anderes reden!“ – manchmal sagen sie es auch schärfer.

Das tut mir nicht gut.

So kommen wir doch nie weiter! Und die Kunst nicht auf einen grünen Zweig!

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MÖCHTEN SIE ZU DIESEM HILFESCHREI STELLUNG NEHMEN? ICH WÜRDE MICH FREUEN. Ich veröffentliche Ihren Beitrag mit Namensnennung gerne an dieser Stelle.

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Kommentare:

21.10.14:

"Ich habe mit Interesse den "Hilfeschrei" gelesen und kann nachvollziehen, dass sich jemand von diesen ganzen Verwaltungsakten leicht überfordert fühlt; ich habe mir ja auch vieles erst aneignen müssen, Sie erinnern sich sicher an unsere Beratungsgespräche. Aber diese Haltung "wieso beschweren sich die Künstler bei mir, wenn sie weniger Geld bekommen", "wieso bin ich denn die Inhaberin", "wieso soll ich denn KSK zahlen" kann ich nicht nachvollziehen. Wenn man etwas aufzieht, hat man eben auch die Verantwortung. Dann sollte die Dame besser als Einzelkünstlerin arbeiten.  
Mit besten Grüßen Michael Schauer GRUSELDINNER GMBH & CO. KG"

1.11.14:

"Hmm… Ich schließe mich dem Kommentar von Michael Schauer an: Auch ich kenne die Frustrationen z.B. durch reduzierte Projektzuschüsse, finanzielle Verantwortung und, nun ja, langsam reagierende Kolleg/inn/en. Aber generell muss ich sagen: Wer anderen ins Stammbuch schreibt „Es reicht doch nicht, einfach nur tanzen zu wollen“ – der muss sich auch an die eigene Nase fassen. Es reicht nämlich auch nicht, einfach nur choreographieren/inszenieren/… zu wollen. Oder sich „Ensembleleiter(in)“ nennen zu wollen. Die volle – nicht nur künstlerische, sondern auch juristische und wirtschaftliche – Verantwortlichkeit zählt dann mit zu den (selbstgewählten!) Pflichten.
Denn natürlich wendet sich meine Veranstaltungshaftpflicht an mich als den Vertragspartner. Und nicht an den Schauspieler (oder auch Zuschauer), der den Schaden verursacht hat. Im Übrigen täte der Geschädigte, auch ohne Versicherung, dasselbe. Genau deshalb hab ich die Versicherung ja abgeschlossen: zu meiner persönlichen Entlastung. Und wenn ich einen Vertrag ohne Eigenbeteiligung haben will, dann kann ich den auch kriegen. Kostet allerdings mehr. Meine Entscheidung.
Oder die Sache mit den murrenden Tänzern. Da wäre wichtig zu wissen, wie die Absprache (oder gar der Vertrag) lautete. Hab ich meinen Leuten die 1600,- Euro Honorar fest zugesagt und einfach gehofft, dass die Rechnung dank üppiger Zuwendungen aufgeht? Dann bin ich in der Pflicht – und kann nur heilfroh und dankbar sein, wenn die lieben Kolleg/inn/en trotz meines Wortbruchs (Vertragsbruchs?) auch für 600,- Euro weitermachen. Oder hab ich unverbindlich, aber optimistisch „blühende Landschaften“ in Aussicht gestellt und muss jetzt einräumen, dass ich den Mund wohl zu voll genommen habe? Auch dann – selbst schuld. Wenn ich allerdings offen gesagt habe: „Leute, die Anträge schweben noch, und einzig und allein im Optimalfall kriegt ihr die vollen 1600“ – dann kann ich die Tänzer guten Gewissens daran erinnern.
Ähnlich die Klage über die unbezahlte Vorbereitungszeit. Die Antwort auf „Wer bezahlt mir das?“ ist doch ganz simpel: wenn überhaupt jemand, dann ich mir selbst. Wer macht denn die Budgetierung, wenn nicht ich? Wem muss ich die Ohren langziehen, wenn meine Vorarbeit da einfach vergessen oder als selbstverständlicher Beitrag vorausgesetzt wurde? Mir selbst. Oder aber: ich bin damit im Frieden. (Ich persönlich bin es.) Aber dann gibt es auch keinen Grund zu schimpfen.
Ganz happig wird es in meinen Augen, wenn ich die Künstler/innen im Nachhinein heranziehen will, um sie von der ohnehin stark reduzierten Bezahlung auch noch den KSK-VERANSTALTERanteil (um den geht es ja doch?!) selber zahlen zu lassen. Das ist unkollegial und nicht sehr anständig; natürlich „meutern“ die dann. Mit Recht! Zumal die ja ihren eigenen Anteil ohnehin bereits an die KSK entrichten!
Also, liebe unbekannte Kollegin: Den verständlichen Frust in allen Ehren – aber mir scheint, vieles davon ist selbstverschuldet. Einige Tipps für eventuelle Folgeprojekte könnte ich anbieten:
- den eigenen Beitrag immer mitkalkulieren (oder bewusst „spenden“)
- das sympathische, aber meist etwas „flatterhafte“ Naturell von freischaffenden Künstler/inne/n mitbedenken (gerade in organisatorischen Dingen)
- trotzdem eine GbR gründen – und einen Vertrag entwerfen, der die geschäftsführenden Rechte und Pflichten bei dem/der/den faktisch Verantwortlichen belässt, während der Verein ggf. als „Förderverein“ die Aktivitäten der GbR unterstützt (z.B. aus Stiftungsgeldern)
- ganz grundsätzlich immer mit pessimistischen Kalkulationen arbeiten
- das gilt insbesondere für die Absprachen mit dem Ensemble (das sich erfahrungsgemäß riesig freut, wenn man dann vermelden kann, dass es nun doch höhere Honorare gibt)
- es als Naturgesetz betrachten, dass Zuwendungsgeber (ausgenommen ganz wenige, wie zB Fonds-DaKu) sowieso NIE die volle Antragssumme bewilligen: wenn ich also 10.000 brauche, sollte ich einen Finanzplan einreichen, der auf 15.000 oder mehr hinausläuft. So doof/absurd das auch ist.
Bitte nicht falsch verstehen: Ich hab Mitleid, Verständnis und kenne ähnliche Situationen. Aber die einzig konstruktive Reaktion, die ich kenne, ist: dazulernen, besser werden.
ToiToiToi!"

Zeha Schröder, Freuynde + Gaesdte Theaterproduktionen, Münster  www.f-und-g.de

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zuletzt aktualisiert: 21.10.2014