Künstlerberatung Stefan Kuntz

Verwendungsnachweise nicht akzeptiert - Stiftung insolvent (Special)

Die Yehudi-Menuhin-Stiftung Deutschland meldete im Januar 2011 Insolvenz an. Kaum zu glauben! Da denkt der Künstler, eine  Stiftung ist eine Stiftung, weil sie ein Stiftungsvermögen hat, das ist eine seriöse Angelegenheit. Aber plötzlich bekommt er seit November 2010 kein Honorar mehr (das mit 60 € für 90 Min. sowieso sehr knapp war, auch angesichts der sehr knappen honorierten Zeit für Besprechungen). Also darf er sein außenstehendes Honorar von z.B. 3.700 € beim Insolvenzverwalter anmelden und warten und warten und warten und vielleicht irgendwann einen kleinen Teil erhalten.

Hintergrund ist ein Streit zwischen der Stiftung und der Bezirksregierung Düsseldorf. Der Regierungspräsident wollte Fördergelder nicht freigeben, weil er Nachweise über die Ausgaben der Stiftung nicht als prüffähig anerkannte. Der Stiftung stehen nach eigenen Angaben bis Ende Juli 2011 noch über eine Million Euro Fördergelder zu.  Beleglisten mit 18.000 Ausgaben über 5,4 Mio € werden geprüft. Die Summe könnte zurückgefordert werden. Die Stiftung behauptet allerdings, der Verwendungsnachweis sei von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft nicht beanstandet worden und die Bezirksregierung habe erst im Nachhinein die Bedingungen für den Verwendungsnachweis geändert.

Ähnlich erstaunliche Probleme gab es auch bei der Insolvenz des Dt. Musikrats.
 
Nach meiner Ansicht trägt die Öffentliche Hand eine gewisse Mitschuld an solchen Pleiten, weil sie dazu ermuntert, Folgeprojekte anzugehen, bevor der Verwendungsnachweis für die bisherigen Projekte geprüft wurde. Sie sieht nicht die Gefahr einer Abwärtsspirale in die Insolvenz, und verkennt die große Versuchung, mit neuen Fördergeldern Abrechnungsfehler alter Projekte auszubügeln. Sie versteht nicht den Zusammenhang zwischen Abrechnung der Vergangenheit und Ausgabenpolitik für die Zukunft.
 
Zwei Konsequenzen:

Künstler sollten ihren Auftraggebern zügig Rechnungen (auch über Teilbeträge, auch über Vorschüsse) senden und die weitere Mitarbeit vom Zahlungseingang abhängig machen.

Zuwendungsempfänger sollten zügig Verwendungsnachweise vorlegen und auf deren Bearbeitung drängen, bevor sie Mittel für Folgeprojekte abrufen.
21.6.2011

 

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zuletzt aktualisiert: 06.01.2012