Künstlerberatung Stefan Kuntz

Tantiemenabrechnung über die VG Wort?

 
Angenommen, eine Theatertruppe möchte ein neues Stück schreiben und darin Texte von anderen Urhebern verwenden.
 
Dann ist das
1.   eine Bearbeitung des fremden Textes, weil der Text in einen neuen Zusammenhang gestellt wird, und
2.   eine öffentliche Wiedergabe eines urheberrechtlich geschützten Werkes.
 
Beides muss genehmigt werden und zwar vom Autor bzw. seinem Verlag. Und für beides kann der Urheber kassieren.
 
Wenn das nun nur einzelne kurze Sätze sind, die zitiert werden, wird das Zitatrecht nach § 51 Urheberrechtsgesetz berührt. Danach handelt es sich um ein erlaubtes Zitat nur dann, wenn Stellen eines Werkes, d.h. kleine Ausschnitte als "Beleg", wiedergegeben werden. Das Zitat darf also im Verhältnis zur eigenen persönlichen geistigen Schöpfung des Zitierenden nur eine völlig untergeordnete Rolle spielen. Es darf nur in einem durch den Zweck gebotenen Umfang zitiert werden. Und das ist eng auszulegen. Voraussetzung ist die unveränderte Übernahme, das Kenntlichmachen als Zitat und die Angabe des Urhebers.
Das könnte z.B. auch als Hintergrundprojektion oder auf dem Programmzettel geschehen.
Zitate sind also frei und nicht genehmigungspflichtig oder gebührenpflichtig.
 
 
Handelt es sich um längere Texte, die nicht als Belege für die Ansichten der Urheber des neuen Stückes gelten können, so sind Genehmigungen und Gebühren fällig.
 
Aber das ist nicht weiter tragisch, wenn es unkompliziert über die VG WORT geht.
Beispielsweise zahlt frau 36,80 € bei Vortragsveranstaltungen bis zu 200 Personen bis 12 € Eintritt, was sich noch mal um die Hälfte reduziert, wenn die fremden Texte nur die Hälfte ausmachen. Anmelden mindestens 14 Tage vorher mit einem Formular, auf dem mann sämtliche Autoren und deren Texte und bibliographischen Details angeben muss und hinterher gibt’s dann ne Rechnung und das ist es. Das Formular heißt Meldung zum Vortragsrecht bereits veröffentlichter Sprachwerke - Kleines Senderecht (§ 19 Abs.1 UrhG) und ist auf zu finden.
 
Ja, wenn! Denn:
Das Vortragsrecht kann von der VG Wort nicht erteilt werden,
1.   bei Vorträgen in Bühnenhäusern, (wohl aber in  Vortragssälen oder Kinos)
2.   wenn die Texte in andere Werke eingebaut werden und diese öffentlich aufgeführt werden
3.   bei abendfüllenden Vorträgen mit Texten nur eines einzigen Autors.
 
Dann muss die Theatertruppe die Genehmigung zur Bearbeitung und öffentlichen Wiedergabe direkt beim Autor, bzw. seinem Verlag, einholen – und das ist wesentlich mühsamer, möglicherweise teurer, und möglicherweise sagt der ein oder andere Verlag, z.B. vielleicht der Suhrkamp-Verlag für Brecht-Texte, nein, dieser Text darf in diesem Zusammenhang nicht wiedergegeben werden. Und aus die Maus.
 
Will man die Vorteile der einfachen und preiswerten Handlings über die VG Wort genießen, muss es sich also um eine ziemlich klassische Lesung handeln, sie darf nicht im Theater stattfinden, die Texte müssen unverbunden, nicht integriert, aufeinander folgen, und mindestens zwei Fremdautoren müssen dabei sein.

 

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz. Alle Rechte: Stefan Kuntz

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zuletzt aktualisiert: 12.02.2014