Künstlerberatung Stefan Kuntz

Kann ich als Künstler mit der UmsatzsteuerPFLICHT Geld verdienen? (Special)


 
Ist das nicht absurd? Wie kann eine Pflicht irgendwie von Nutzen sein? Naja, bevor ich philosophisch werde ...

Es handelt sich um eine reale Möglichkeit: Ich lass mich (als Theater oder Orchester) nicht von der Umsatzsteuer befreien oder ich werde freiwillig umsatzsteuerpflichtig und erwarte dann eine schöne Vorsteuerrückerstattung vom Finanzamt, das heißt: ich bekomme einen Teil der bereits von mir an diverse Händler bezahlten Mehrwertsteuer zurück. Ja, das stimmt!

Aber wann rechnet sich das?
 
Egal ob Gruppe oder Solist, Künstler sind seit dem EuGH-Urteil mit 7 % Mehrwertsteuer umsatzsteuerpflichtig.(Nicht aber: Zauberkünstler, Artisten, Bauchredner, Diskjockeys)
Wer also 1000 € eingenommen hat und zusätzlich 70 € Mehrwertsteuer und wer 500 € ausgegeben hat und zusätzlich 80 € Mehrwertsteuer, bekommt vom Finanzamt 10 € rückerstattet, wenn er umsatzsteuerpflichtig ist.
Und das ist er, wenn er im letzten Jahr mehr als 17.500 € Umsatz gemacht hat, oder es freiwillig sein will.
 
Aber Achtung! Wenn ein Theater oder Orchester auf diese Art wegen sehr großer Investitionen sehr viel USt vom Finanzamt zurückerhält, wird das FA von Amts wegen das Theater (oder das Orchester) auch rückwirkend von der USt befreien (solange wie der Vorbehalt im USt-Bescheid nicht aufgehoben wurde), ob frau will oder nicht. Und dann muss frau sehr viel Rückerstattung rückerstatten und kann dabei pleite gehen.
 
Nun aber zu den weiteren und leider komplizierten Pferdefüßen:
 
Das Zahlenbeispiel oben geht davon aus, dass frau Künstlerin ihren Kunden die Mehrwertsteuer zusätzlich berechnen kann, weil das die Kunden nicht stört. Als Autohaus etc. ist man nämlich selbst vorsteuerabzugsberechtigt. Und es geht davon aus, dass in allen Ausgaben 19 % MWSt steckt. Das ist aber nicht der Fall, ich würde schätzen, durchschnittlich sind 12 % MWSt zu zahlen (Bücher und öffentl. Verkehrsmittel unter 50 km z.B. nur 7 %).
Aber z.B. Jugendämter oder Kirchen stört es, weil die 7 % für sie zusätzliche Kosten sind, deshalb sagen die dann schon mal gerne „nee, nicht 1070, sondern 1000 inklusive“.
Zum andern ist es so, dass die zusätzliche Buchführungsarbeit und die Bürokratie mit dem FA auch Zeit, Arbeit und Nerven kostet, ich würde mal sagen, 250 € im Jahr.
 
Mann kann nicht von Jahr zu Jahr wechseln, ob frau befreit sein will oder nicht. Hohe Ausgaben (Investitionen), die dazu führen, dass kein Gewinn übrig bleibt, dürften doch hoffentlich nur in den ersten Jah­ren anfallen. Irgendwann wollt ihr doch auch davon leben, müsst also Gewinn machen.
 
Und wenn ihr richtig Gewinn macht, solltet ihr euch wohl befreien lassen.
 
Also Faustregel:
In den ersten zwei, drei Jahren mit hohen Investitionsausgaben Vorsteuerrückerstattung voll (nicht pauschaliert) in Anspruch nehmen, danach befreien lassen.
 
Wer aber (nur) kommerzielle Kunden hat, die die MWSt ohne zu murren zusätzlich zahlen, der sollte von Anfang an USt-pflichtig werden, wenn die Ausgaben gut über 1 / 6 der Ein­nahmen liegen.
 
Wenn Ihr dazu noch Fragen habt, gerne!
Ich rechne Euch Eure individuelle Situation aus und spreche dann eine entsprechende Empfehlung aus.
Ansonsten findet Ihr dazu auch mehr im „Survival Kit“ und zwar ca. 17 Seiten!

 

 

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zuletzt aktualisiert: 10.03.2014